| Gerhard
Lühr Projektkoordinator Georg-Sonnin-Schule BBS II Lüneburg |
Fax 04131/889171
Schule Luehr@haar-stylist.de www http://hair-stylist.de 10. Juli 1998 |
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Finnische PraktikantenInnen
in Salzhausen/Lüneburg Juni 1998 |
Praktikumsbericht
Planung:
Anfang September 1997 fragte unsere Partnerschule in
Iisalmi/Finnland
bei mir an, ob ich -wie bereits im
Sommer 1997 (zwei Praktikantinnen im Gastronomiebereich)-
Praktikantenstellen
für ihre SchülerInnen
organisieren könne. Ich entwarf einen Praktikumsfragebogen und
suchte Betriebe.
Sehr erfreulich waren die Besuche. Fast überall waren die
UnternehmerInnen
sehr aufgeschlossen.
So hatte ich bis Mitte November 15 Praktikantenstellen in folgenden
Berufen: Friseure, Tischler,
Textiltechnik, Elektrotechnik, Kfz-technik und Gastronomie. Vier
PraktikantenInnenstellen
sogar
mit Wohnen, Verpflegung und Taschengeld.
Mitte Dezember schickte ich die Praktikantenmappe
(Praktikumsfragebogen,
Fotos von den Betrieben,
Informationen über die Betriebe usw.) nach Iisalmi. Dort wurden
die Betriebe bei einer
Informationsveranstaltung vorgestellt. Es meldeten sich spontan cirka
60 SchülerInnen.
Die Schule traf eine Auswahl. Ab Mitte Februar 1998 setzten sich
einige
SchülerInnen per
Brief, Fax und e- mail mit den deutschen Betrieben in Verbindung.
Es waren 11 PraktikantenInnen. Alter der PraktikantenInnen: einer 26 , zwei 18, alle anderen 17 Jahre.
Von September 1997 bis zum Eintreffen der Praktikanten hielt ich
ständigen
Kontakt mit den Betrieben.
Im Mai schickte ich jedem Praktikanten eine e-mail mit dem Foto Ihrer
Ansprechpartner in den Betrieben.
Die gesamte Planung wurde per e-mail von meinem Anschluss in Salzhausen getätigt.
Pädagogische Ziele
Auswirkungen des Projektes auf die SchülerInnen:
| Ankunft: Pfingstmontag 9.20 Uhr Hamburg
Dienstag, 2. Juni |
Herr Elektromeister Schröter unterstützte mich beim
Abholen
der 11 PraktikantenInnen
Beginn des Praktikums |
Die Betriebe organisierten mit ihren PraktikantenInnen z. B. Fahrten
nach Hamburg, in den Heidepark und vieles mehr.
Ich hatte das Gefühl, daß sich alle Betriebe sehr viel
Mühe
gaben, es war richtig interessant mit einem finnischen
Praktikanten zu arbeiten.
Die finnischen PraktikantenInnen waren selbstbewußt und fanden
sich überall schnell zurecht.
Auch ihre Freizeit planten sie zusammen. So wurde zum Beispiel ein
Auto gemietet, um sich Hamburg, Bremen
und Lübeck anzusehen. Eine ehemalige Friseurschülerin unserer
Schule, die bereits beide Projekte in Iisalmi mit erlebt hatte,
lud die drei Friseurinnen aus Iisalmi zu einem Disco-Wochenende ein.
Der Anlaufpunkt war bei mir in Salzhausen: Klönen, Sauna,
Wäsche
waschen, Fahrservice nach Lüneburg.
Eine sehr interessante Zeit für uns!
SchülerInnenäußerungen über das Praktikum
Grundsätzlich waren alle PraktikantenInnen in
Salzhausen/Lüneburg
zufrieden. Sie sahen ein, daß Sprachkenntnisse
sehr wichtig sind.
Die Friseurinnen waren erstaunt über die dominante
Arbeitsweise
ihrer Chefin/ ihres Chefs bzw. der MitarbeiterInnen.
Da sie in der Schule selbständig arbeiten, waren sie doch
teilweise
enttäuscht, daß sie nur kleine Arbeiten am Kunden
ausführen durften. Wir haben lange darüber diskutiert; ich
glaube, sie verstanden warum das in Deutschland so ist.
Kfz-technik – in der Firma war man sehr bemüht – mit
Hilfe
von Wörterbüchern – sich zu verständigen.
Besonders positiv wurde die Sauberkeit der Werkstatt bemerkt. Besser
in Deutschland – Ausbildung in Schule und Betrieb.
Elektrotechnik – besonders gefallen hat den Praktikanten die
paarweise Zusammenarbeit, fachlich –die Sicherheitsbestimmungen
sind hier nicht so streng wie in Finnland.
Gastronomie- Die beiden Praktikantinnen waren sehr zufrieden,
das Personal war sehr freundlich, alle sprachen Englisch.
Mit den KollegenInnen wurden auch in der Freizeit etwas unternommen.
Problem: die Zubereitung der Speisen,
die Eßgewohnheiten sind hier anders.
Textiltechnik- Die Praktikantinnen hatten sich ihren
Praktikumsplatz
anders vorgestellt. Die Firma Lucia ist ein großer Betrieb;
sie dachten, sie kämen in eine Schneiderei. Sie arbeiten in
Iisalmi
vom Design bis zur Fertigung. Trotzdem waren sie zu frieden,
diese Erfahrung gemacht zu haben. Erstaunt waren sie über die
ständige Pünktlichkeit (Beginn, Pausen) im Betrieb.
Anfängliche
Sprachschwierigkeiten mit der Ausbildungsmeisterin, aber nach einigen
Tagen
war auch dieses Problem behoben.
Computertechnik- Der Praktikant war sehr zufrieden, keine Verständigungsschwierigkeiten.
Bemängelt haben die PraktikantenInnen die kurzen
Ladenöffnungszeiten.
Sie hatten nach Arbeitsschluss wenig Zeit zum
Einkaufen – in Finnland sind größere Geschäfte bis
20.00 Uhr, kleinere Lebensmittelgeschäfte noch länger
geöffnet.
Die PraktikantenInnen erzählten mir, daß ihr Praktikum
vom
finnischen Staat gefördert wird.
Für die Reisekosten: 2/3 der Kosten = 500.- DM, für Wohnen
und Essen 300.- DM.
Anonymer Fragebogen
Zu dem Besuch in der Schule hatte ich einen Fragebogen vorbereitet,
der anonym ausgefüllt wurde.
Die finnische Dolmetscherin Frau Utke hat das Ergebnis für mich
übersetzt:
| Das hat mir gefallen | Das hat mir nicht nicht gefallen |
haben uns wohlgefühlt |
die Sprache ist ein kleines Problem man kann nicht alles machen, was man könnte, weil man nicht alles versteht die Arbeitstage sind zu lang |
| Kollegen sind sehr nett, haben uns überall
mitgenommen Arbeitszeiten sind gut, obwohl man am Wochenende arbeiten muß |
etwas Probleme mit der Sprache manchmal gibt es bei der Arbeit zu wenig zu tun |
| Deutschland ist im allgemeinen sehr schön um den Urlaub
zu verbringen,
in der Freizeit war es sehr schön, ich bin zufrieden, daß ich hergekommen bin |
Probleme mit der Sprache, die meisten Arbeiten werden hier anders gemacht, unsere Methoden nicht akzeptiert |
| Manche Tage sind schön gewesen, die haben wir
ausgenutzt, manche Arbeitstage waren auch o. k. |
bei der Arbeit gab es Probleme. Kein Verständnisfür andere Arbeitsmethoden, manchmal war es eine sehr lange Zeit 9 ½ Std. zu sitzen und zu zuschauen, weil es nicht zu tun gab, nicht mal etwas zum Aufräumen |
| Gutes Klima bei der Arbeit, keine Probleme, neue Autos, neue Testgeräte Keine Probleme mit der Sprache, die Arbeit gelingt mir gut, ich mag dieses |
|
| Arbeitsplatz ist sehr nett gewesen, sowie die
Mitarbeiter, Deutschland (Salzhausen) ist sehr schön, es ist schön gewesen etwas neues im Bereich Essen zu lernen |
manchmal kleine Probleme mit der Sprache |
| Gute Erfahrung, Arbeitserfahrung, wohnen umsonst, warmes Essen umsonst |
sehr anstrengende Tage, Sprachprobleme |
| Kultur und Land sehr schön Durften alles machen, auch für uns selber etwas nähen, durften verschiedene Maschinen ausprobieren, die man in der Industrie benutzt |
Sprachprobleme bei der Arbeit, Frühaufstehen ist mir
schwergefallen Sprache, man versteht nicht, was sie erklären, Ausbilder mochten kein Englisch sprechen, Praktikumsplatz würde besser für Industrienäher passen, als für "Designer" |
Bei den vielen Besuchen in den Betrieben hatte ich eigentlich nur
positives
gehört. Nun interessierte mich doch die Meinung der
Betriebsinhaberinnen
und –inhaber nach einem gewissen Abstand des Praktikums.
Deshalb lud ich die Salzhäuser zu einem Gespräch ein.
Ergebnis des Abends:
Es war für alle ein sehr interessanter Abend. Der
Praktikumsmonat
wurde noch einmal durchgesprochen.
Wir erfuhren von vielen netten Begebenheiten während dieser Zeit.
Ich hatte das Gefühl, daß beide Parteien von einander
profitiert
haben. Der Gedanke zu einem gemeinsamen Europa
wurde erkannt.
Hier stichpunktartig einige Aussagen:
Gründe für meinen Einsatz
Seit 1995 habe ich aussergewöhnlich gute Kontakte mit den
KollegenInnen
unserer Partnerschule in Iisalmi.
1996 fand ein Schüleraustausch im Bereich Körperpflege und
1997 ein EU-Projekt Lingua E mit den Berufsfeldern
Körperpflege/Holztechnik statt. Geplant ist jetzt ein EU-Projekt
COMENIUS mit mehreren Berufsfeldern und neben
Finnland mit drei weiteren Ländern. Bei allen Schulprojekten
unserer
Schule fungierte ich als Projektleiter/Koordinator.
Durch diese enge und sehr gute Zusammenarbeit fühlte ich mich
verpflichtet,
den Wunsch meiner finn. KollegenInnen
nachzukommen, PraktikantenInnen in Deutschland eine Stelle zu
vermitteln.
Dieses Projekt war kein EU-Projekt,
es war sozusagen ein Nebenprodukt unserer Zusammenarbeit. Alle meine
Aktivitäten zu diesem Praktikantenprojekt
fanden in meiner unterrichtsfreien Zeit statt.
Dank
Meine Bemühungen, dem Wunsch der Schule in Iisalmi
nachzukommen,
lag natürlich in den Händen der
heimischen Betriebe. Sich mit nicht deutschsprechenden
PraktikantenInnen
bis zu 4 Wochen zu beschäftigen ist
heute nicht selbstverständlich. Deshalb möchte ich den
Betrieben
meine Hochachtung aussprechen und – auch im
Namen der finnischen Schule und der PraktikantenInnen –Dank sagen.
Bedanken möchte ich mich bei Frau Krüger/Landkreis
Lüneburg.
Sie und der Landkreis Lüneburg unterstützten
mich tatkräftig bei der Suche von Übernachtungsplätzen
in Lüneburg, lösten das Transportproblem – VW-Bus vom
Landkreis – und bezahlten die Lunchpakete.
Auch einen Dank an Herrn Direktor Köhnen, Schulleiter
"Georg-Sonnin-Schule",
der die Idee hatte, die
11 PraktikantenInnen zu einem Besuch in unsere Schule und zu einem
Mittagessen einzuladen.
Es war ein interessanter Tag für die SchülerInnen aus
Iisalmi.
Vielen Dank für Ihr Interesse!